Die Giersteine
im Ortsteil Bermersbach

Was über das Naturdenkmal gesagt und geschrieben worden ist.
Gesammelt von Gotthard Wunsch

Lage:
Vom Dorf Bermersbach aus auf langgezogenem Bergrücken in südöstlicher Richtung
gegen das Murgtal. Herrlicher Blick ins Tal. Kleine Erholungsstätte. Seit 8. Januar 1936 nach
dem Naturschutz-Gesetz gegen Veränderungen geschützt. Seit 26.04.1940 zum Naturdenkmal
erklärt und im Denkmalbuch eingetragen.

Aussagen/Veröffentlichungen:
Sagen:
Eine heidnische Wahrsagerin bei Gernsbach "am Klingel" habe sich vor einem
christlichen Missionar geflüchtet und bei den "Opfersteinen in Bermersbach" den
"Heidenpriestern" das Herankommen der Christen vom Murgtal herauf verkündet.
Diese Priester hätten bei den Opfersteinen ihren Göttern sehr oft Tiere geopfert.
Bei den Steinen sei einst eine mächtige Eiche gewachsen; hier habe man Gerichtstage
abgehalten.

Eine andere Sage:
Der Teufel sei auf den Steinen gestanden, als die christlichen Missionare und ihre Begleiter und Gefolgsleute das Tal heraufkamen. Der Teufel habe seinen "Bannkreis" verteidigen wollen gegen die Christen. Dies gelang ihm nicht, er rückte ab. In der Nähe der Giersteine liegt der Gern- und der Höllenwald.
Forstmeister K. F. Jägerschmidt hat 1800 bei der Beschreibung des Murgtals als ausgezeichneter Kenner des Murgtals von "wundersamen Felsen vor dem Höllenwäldele" geschrieben. Den Namen "Giersteine" hat er nicht genannt.

Der Heimatforscher H. Langenbach hat im Bermersbacher Dorfbuch 1936 geschrieben, die
Steine hätten wohl 1800 noch gar keinen Namen gehabt. Als Gewann-Name
erscheint "Giersteine" im Bed-Buch (Bethe-/Bed- = Steuerverzeichnis) erstmals 1753.
In einer alten Karte findet man ca. 1720 dieses Gewann als "Irrstein". Protokolle über Grenzfestlegungen und Grenzstreite erfassen sehr viele Bezeichnungen. Die "Giersteine"
und das Gewann gleichen Namens sind zwischen 1581 und 1631 sowie 1698 nicht zu finden.
In diesen Bereichen aber stehen "Gern" und "Kürren" zu Buche. Eigenartig ist aber auch,
dass die Oberamtsvorsteher von Gernsbach in ihren Ortsbeschreibungen zwischen 1829 und
1900 nie die "Giersteine" erwähnt haben. 1913 berichtet Dr. Heinrich Schmitthenner in Badische
Landeskunde über die Giersteine. Er beschreibt sie genau, stellt fest, sie seien "nicht aus
anstehenden Felsen". Die auffälligen, eigenartigen Vertiefungen an den als "Opferkessel" gedeuteten Felsen schildert er besonders genau und sagt als Hinweis, die vom großen Stein
und dessen großen Oberflächenvertiefungen ausgehenden Rillen, die man als "Blutrillen der
Opfersteine" anspreche, seien Abflüsse des Kessel-Wassers. Man erkenne das genau an der
Bemoosung des Steines. Im übrigen bespricht er vor allem die beiden großen
kugeligen Steine. Es ist dann die Rede von "Strudeltöpfen", von Verwitterungsformen,
Einflüssen von Wind, Wasser, Eis, Hitze die solche Felsen verformen. Der Prof. für Geografie
an der Uni Marburg hat als erster Fachmann über die Giersteine umfangreich berichtet
(siehe erw. Werk).

Zwischen 1925 bis 1938 hat Wilhelm Gerland, Uhrenfabrikant aus Triberg als Hobbyforscher
oft berichtet. Die Römer hätten Blutopfer hier dargebracht. Später berichtigt er sich. Die
Druiden als Priester der Kelten hätten hier geopfert. Den Namen "Gier" führt er zurück auf
"Ger" = germanischer Wurfspeer. Später bzw. 1933 berichtet Gerland von einer "Thingstatt"
des 4. und 5. Jahrhunderts. 1935 taucht von ihm das Gerücht auf, ein Grenzstein mit einer
Rune des altgermanischen Gottes Ziu habe bei diesen Steinen gestanden. Nachprüfungen
und Hinweise gaben zu wissen, dass dieser Grenzstein aus der Zeit um 1840 stammte;
damals wurden die Felder und Wiesen vermessen und "eingesteint". Das angebliche
Runezeichen war nur die Einkerbung der Grenzlinie.

Im Dritten Reich sammelten sich Akten an mit Ansichten über die "Opfersteine". "Im
Interesse des Deutschen Volkes sei ausführlicher Bericht über die Steine und ihre Bedeu-
tung für die Vergangenheit zu fertigen" ... Für die Nazis waren die Steine ein germanischer
Kultort. Im Dritten Reich wurde 1933 bis 1939 immer wieder angeregt, Grabungen anzustellen.
1945 beim Graben von Schützenstellungen war besondere Aufmerksamkeit angesagt; keine
Ergebnisse. 1962 Mitteilungen von Paul Braun, Baden-Baden, Kreispfleger für Urgeschichte:
Beim Kirrenkreuz Richtung Forbach habe er kleine Steinmesserchen aus Zeiten um 8000
vor Chr. Gefunden. Er wollte damit auch nachgewiesen haben, dass das Murgtal um jene
Zeit schon besiedelt war. Diese Vermutung wurde dann oft zurückgewiesen.

1956 hat Prof. Dr. Metz am Lehrstuhl für Geografie und Landeskunde der Uni Freiburg auf
Befragen von Gotthard Wunsch darauf verwiesen, dass das Murgtal und der Schwarzwald
erst ab 1000 n. Chr. gerodet wurde. Er teile die Meinung Schmitthenners: Diese Steine sind
eine Verwitterungsform des Granit. Glaziale Entstehung lehne er auch ab.

1958 war vom ehem. Lehrer Häßler aus Langenbrand geschrieben worden: Die Steine als
Opferstätten der La-Tène-Zeit sind nicht beweisbar, aber über Flurnamen wäre eine Erklärung
möglich. Er führt dazu "einen Kranz von Flurnamen der Umgebung" an, indem er altdeutsche
Wortbildungen, alte Rechtsbeziehungen oder Götternamen zu sehen glaubt (Rote Lache,
Kesselberg, Altenbach, Rappenfelsen; Hochstätt u.a.). J. Häßler deutete die Rinnen an der
Steinoberfläche als Grundlagen für astronomische Beobachtungen.

Günter Kirchoff, Gaggenau, hebt in den 60iger Jahren hervor, die Giersteine hätten eine große
Ähnlichkeit mit den Merkmalen der persischen Feueraltäre. Die letzte kultische Betätigung an
diesen Giersteinen schreibt Kirchhoff den Kimbern und Teutonen 120 v. Chr. zu. Diese hätten
hier die Kelten vertrieben und vom Norden den Wotansglauben mitgebracht.

Die Namensgebung in vielen Meinungen
"Gier" ableitbar vom "Kirren" (Weg nach Forbach, angeblich "Kirchenweg") lt. Langenbach.
Prof. Dr. Ochs, Bad. Wörterbuch, hält diese Ableitung für unmöglich. Der Flurname sei auch
findbar in der Schweiz mit "Gir" = Vorstufe zu unserem Tiernamen Geier. In Flurnamen oft
auffindbar: Giersberg, Gierifuß, Giersloch, Giersbühl, Giersbach, Giers (Geiers)nest = alles
Namen aus dem Land Baden.

Neuere Ansichten
Von der Uni Freiburg wurde 1966 eine Untersuchung bei den Giersteinen (Prof. Sangmeister) durchgeführt. Er neigt zu der Annahme, auch hier könnte "wie auf der liberischen Halbinsel" die Bezeichnung "Opferstätte" zutreffen. Aber dazu müssten noch Untersuchungen stattfinden. Dr. Riek von der Uni Tübingen schrieb 1968 an Gotthard Wunsch: Sie bemühen sich bei den Giersteinen
um eine Sache, bei der es in absehbarer Zeit noch keine Übereinstimmung geben wird. Er habe
selbst viele ähnliche Steine schon begutachtet. Er glaube bei den Giersteinen an etwas
Mittelalterliches. Ähnliches habe er als eigenartige Bildungen nahe des Schinwell-Turmes auf
der Nürnberger Burg gesehen. 1967 hatte Gotthard Wunsch Schriftwechsel mit dem Leiter des
Heimatmuseums Eutin. Dort gibt es einen Granitschalenstein, bezeichnet als "Kultstein",
etwa 4000 Jahre alt. Dr. Max Weber, ehem. Lehrer von Gotthard Wunsch, Denkmalbeauftragter
Landkreis Rastatt, schrieb 1955: "Die Volksseele versteht anregend die seltsamen Naturgebilde
mit Phantasie zu umkleiden. Aber man sollte sich davor hüten, in den bizarren Naturgebilden
mehr zu sehen und sie Menschen zuschreiben zu wollen in einer Zeit, da die ganze Gegend
noch unbesiedelt war". Ein Dr. Nautascher hat die Giersteine 1998 untersucht und will
weiterforschen. Die Felsen seien vor 5000 Jahren hier "entstanden". Ein Roland Kroell hat
1994 "Mythologische Reisen" unternommen. Er meint, das ist ein Opfer- und Kultplatz einer
Sonnenreligion und spricht von einem "Gibro-Altar", von Drachen- und Adlerleuten, die in
Urzeiten hier hausten. 1994 hat ein privater Forscher aus Bruchsal, Klaus Schmich, die
Giersteine als "Koordinatenplatz" einer Sonnenwende-Station ausgemacht. Es wurde auch
ein Film des SWF gedreht. Davon wird man vermutlich einmal "Neues" hören und sehen.
Im Volk wurden die Steine seit eh und je als Naturgebilde angesehen und beschrieben.
Etwa 1905 wurden auf dem größten der Steine Treppen angebracht.
(Stand: April 2002)
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